Artikel von Frau Dr. Birgit Leopold-Temmler, Fachtierärztin für Kleintiere

Zahnpflege für kleine Hunde?

Zahnpflege bei kleinen Hunden. Es ist eine wissenschaftlich anerkannte Tatsache, dass kleine Hunde viel stärker als mittelgroße oder große Hunde zu Zahnbelägen , Zahnstein und zu Entzündungen des Zahnfleisches (Gingivitis) und des Zahnhalteapparates (Parodontitis) neigen.

Verursacher der Parodontitis sind Zahnbeläge, genauer gesagt die darin enthaltenen Plaquebakterien. Plaquebakterien sind in Zahnbelägen wie in einer Matrix gut geschützt, und können sich dort stark vermehren. Plaquebakterien produzieren Säuren und Toxine, die das Zahnfleisch und den Zahnhalteapparat schädigen, indem sie eine starke, chronische Entzündungsreaktion auslösen. Werden die Beläge nicht regelmäßig entfernt, dann entsteht jedoch nicht nur Zahnstein. Es entwickelt sich eine häufig in ihren Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des kleinen Hundes komplett unterschätzte Parodontitis.

Ein gesundes Hundegebiss

Die Parodontitis ist eine beim Hund sehr ernst zu nehmende Erkrankung. Sie führt zu chronischen Entzündungen und zu Zahnfleischtaschen, und sie ist auch sehr schmerzhaft. Besonders die Zahnfleischtaschen sind ein großes Problem. Die Bakterien fühlen sich dort besonders wohl, sie können aus den Taschen durch Zähneputzen, Zahngels etc. nicht mehr entfernt werden. Plaquebakterien zerstören nach und nach die gesamte Verankerung des Zahns im Kiefer und meist auch Teile des Kieferknochens – der Zahn wackelt und fällt aus. Die Bakterien können außerdem bei tiefen Zahnfleischtaschen von unten in den Zahn eindringen und eine sehr schmerzhafte, eitrige Zahnentzündung verursachen, die von außen nicht erkennbar ist. Besonders die Zerstörung von Kieferknochen in den späteren Stadien einer Parodontitis ist für kleine Hunde sehr riskant, weil der ohnehin schon recht zarte Unterkiefer bei kleinen Hunden infolge einer Parodontitis punktuell so dünn werden kann, dass es zu einer Unterkieferfraktur kommt. Plaquebakterien können bei mangelhafter Mundhygiene und/oder Parodontitis auch in andere Körperorgane wie Nieren, Leber, Herz abgeschwemmt werden und dort Probleme verursachen.

Daher ist die Parodontose nicht nur ein Zahnproblem, „schlechte Zähne“ können den gesamten Körper schädigen. Bei kleinen Hunden können derartige Zahnprobleme sogar Ursache für einen zunächst unerklärlichen Kieferbruch sein und zusätzlich eine Abwehrschwäche verursachen. Es gibt allerdings auch noch weitere negative Effekte. So ist es sehr schwierig, zuckerkranke Hunde richtig einzustellen, solange eine möglicherweise gleichzeitig bestehende Parodontitis nicht behandelt und ausgeheilt ist. Ähnliches gilt für viele andere Erkrankungen und für das Immunsystem. Aus den genannten Gründen ist die Zahnpflege bei kleinen Hunden ganz besonders wichtig. Am besten beginnt man damit schon im Welpenalter. Welpen und junge Hunde kann man spielerisch an die Zahnpflege gewöhnen, v.a. an das Zähneputzen. Zusätzlich kann man Zahnputzfutter und Zahnputzleckerlis geben, die durch ihre spezifische Zusammensetzung und Beschaffenheit Zahnbeläge beim Kauen ähnlich wie eine Zahnbürste entfernen und die Neubildung verhindern.

Kleine Hunde und die richtige Zahnpflege

Es ist manchmal allerdings nicht ganz einfach, geeignete Zahnpflegemittel für die ganz Kleinen zu finden. Zahnbürsten und Kaustangen sind oft zu groß. Auch bei Zahnputzfutter kann es Probleme mit zu großen Pellets geben. Eine sehr innovative Möglichkeit sind spezielle Zahnputzleckerlis für kleine Hunde. Grundsätzlich gilt, dass die Zahnpflege den besten Effekt bei sauberen, gesunden Zähnen entfaltet. Hat der kleine Hund bereits Zahnstein oder Mundgeruch, so ist eine tierzahnärztliche Behandlung unumgänglich. Diese sollte im Verdachtsfall neben der gründlichen Untersuchung auf das Vorliegen einer Parodontitis auch ein spezielles Zahnröntgen mit beinhalten. Nach einer gezielten Parodontosebehandlung, die alle Befunde berücksichtigt und heute sogar eine Laserbehandlung mit beinhaltet, kann man anschließend durch häusliche Zahnpflegemaßnahmen dafür sorgen, dass die Zähne gesund bleiben.

Noch ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Das einfache Abkratzen von Zahnstein ist kontraproduktiv, weil es den Zahnschmelz beschädigt. Hat der Hund bereits empfindliche Zähne oder gar freiliegende Zahnhälse, dann ist dies für den kleinen Hund außerdem eine regelrechte Tortur. Eine korrekte zahntierärztliche Untersuchung und Behandlung erfordert immer eine Narkose. Das Narkoserisiko ist dabei in der Regel viel kleiner als die Gefahr von Folgeschäden schlechter Zähne!