Artikel von Frau Dr. Birgit Leopold-Temmler, Fachtierärztin für Kleintiere

Kleine Hunde ganz stark - Immunsystem & Abwehrkräfte stärken

Das Immunsystem kleiner Hunde zeigt zwar im Vergleich zu mittelgroßen und großen Rassen keine grundsätzlichen Unterschiede, trotzdem gibt es bei kleinen Hunden bestimmte Prädispositionen und Empfindlichkeiten, die sich auf ihr Immunsystem auswirken.

Ein typisches Beispiel ist der Yorkshire Terrier, der mit seinen Atemwegen ganz besonders auf Feinstaub, Autoabgase und Rauch (offener Kamin, Zigarettenrauch) in Form einer chronischen Bronchitis (sog. Canine Bronchitis) reagieren kann. Auch laufen die kleinen Hunde in der Stadt sozusagen „auf Auspuffhöhe“ mit vorbeifahrenden Autos, dies belastet nicht nur die oberen Atemwege und die Lungen, sondern auch das Immunsystem. Es ist daher sehr sinnvoll, die Abwehrkräfte kleiner Hunde vorbeugend zu unterstützen.

Kleine Hunde haben zudem oft eine sehr zarte, empfindliche, helle Haut. Die Haut ist das größte Organ des Körpers und schützt den kleinen Hundeorganismus über verschiedene Mechanismen. Typische, von der Haut vermittelte Abwehrmechanismen sind z.B. Juckreiz, Kratzen und Beknabbern. Dass diese Mechanismen tatsächlich Reaktionen des Immunsystems sind, ist noch wenig bekannt. Kommt die empfindliche Haut kleiner Hunde aus der Balance, dann können Fremdstoffe und Bakterien die geschädigte Hautbarriere überwinden und eine Hautallergie und Hautinfektionen auslösen. Auch hier reagiert das Abwehrsystem zuallererst mit Entzündung, Rötung, Juckreiz, Schuppenbildung und glanzlosem Fell. Ein häufiges Frühsymptom für eine Allergie sind übrigens gerötete, juckende Ohrmuscheln. Manchmal kann auch nur ein Ohr gerötet sein, vor allem bei sehr jungen Hunden.

Zecken & Flöhe - Nein Danke

In Hinblick auf die empfindliche Haut und das durch Umwelteinflüsse zunehmend belastete Immunsystem kleiner Hunde ist eine gewissenhafter Floh- und Zeckenschutz ein Muss, da es Flöhe und Zecken aufgrund der zarten Haut bei kleinen Hunden besonders leicht haben. Während Flöhe häufig „nur“ eine allergische Hautreaktion mit Juckreiz auslösen, übertragen Zecken gefährliche Krankheiten (Borreliose, Anaplasmose), vor denen nicht nur kleine Hunde unbedingt geschützt werden müssen.

Nicht selten sind auch Futterunverträglichkeiten oder Futtermittelallergien für die gereizte, juckende Haut und die juckenden Ohren verantwortlich. Da der Darm sein eigenes Immunsystem hat, spielt auch hier eine intakte Abwehr und besonders eine gesunde Verdauung eine wichtige Rolle. Bei allen Überempfindlichkeiten und Allergien handelt es sich um eine zu starke, „überschießende“ Reaktion des Immunsystems, allerdings kann man besonders bei kleinen Hunden auch das Gegenteil beobachten.

Stressfrei durchs Leben - Stressfaktoren bei kleinen Hunden

Eine Abwehrschwäche entsteht hauptsächlich durch Stress. Zu den bei kleinen Hunden häufig komplett unterschätzten Stressfaktoren, die eine Abwehrschwäche auslösen können, gehört Kältestress (kalte Jahreszeit, windiges, feuchtes Wetter) und ein Energiemangel sowie ein Mangel an essentiellen Nährstoffen, d.h. eine dem viel höheren Energiebedarf kleiner Hunde und dem kleinen Magen, der nicht so viel Futtermengen aufnehmen kann, nicht angepasste Ernährung. Dass Kälte über eine Abwehrschwäche krank machen kann, weiß jeder von uns (z.B. kalte Füße -> Schnupfen). Viel weniger bekannt ist aber die wissenschaftlich erwiesene Tatsache, dass zu wenige Kalorien ebenfalls eine starke Stressreaktion im Körper auslösen. Bei einem Energiemangel werden vermehrt Stresshormone aus der Nebenniere ausgeschüttet, u.a. Cortisol. Diese Stresshormone haben eine Unterdrückung der Abwehrmechanismen des Immunsystems, also eine Abwehrschwäche zur Folge.

Zur Stärkung der Abwehr ist daher bei kleinen Hunden zweierlei wichtig: Erstens eine speziell auf die Bedürfnisse kleiner Hunde ausgerichtete, bedarfsgerechte Fütterung (hoher Energiegehalt, hohe Verdaulichkeit des Futters, häufigere Mahlzeiten und/oder Snacks), und zweitens eine natürliche Nahrungsergänzung mit immunstärkenden Bausteinen, z.B. eine zusätzliche Vitamingabe. Leckerchen oder Snacks, die neben Vitaminen auch noch schnell verfügbare Energie enthalten, sind eine sehr gute Möglichkeit, etwas für eine gesunde Abwehr des kleinen Hundes zu tun.