Artikel von Frau Dr. Birgit Leopold-Temmler, Fachtierärztin für Kleintiere

Kleine Hunde - andere Knochen, andere Gelenke

Die Knochen kleiner Hunde sind grundsätzlich dünner als bei mittelgroßen und großen Hunden. Dies gilt ganz besonders für das Schulterblatt, das bei Hunden unter 5 kg Körpergewicht extrem zart ist, aber auch für die Knochen der Vorder- und Hinterbeine, speziell bei Hunden mit relativ langen Gliedmaßen (z.B. Pinscher oder Russian Terrier). Die Gelenke sind ebenfalls zierlich, etwa das Ellbogengelenk (eines der empfindlichsten Gelenke überhaupt), und das Kniegelenk mit seiner bei kleinen Hunden vergleichsweise winzigen Kniescheibe.

Interessanterweise haben aber kleine Hunderassen besonders häufig angeborene Probleme mit der Kniescheibe in Form der sog. Patellaluxation. Hierbei rutscht die Kniescheibe seitlich vom Knie ab und blockiert die Bewegung des Gelenkes, was sich meist zunächst in einigen „hüpfenden“ Schrittchen auf drei Beinen äußert. Später entwickelt sich meist eine Kniearthrose. Bei sehr kleinen Zwerghunden können die sog. Fontanellen, d.h. die Nähte zwischen den einzelnen Schädelknochen, offen bleiben und sich nicht wie normal schließen.

Gesunde Hunde mit gesunden Gelenken

Grundsätzlich gilt deshalb für alle kleinen Hunde: „Handle with Care“! Die Zierlichkeit des Skeletts inklusive des Kopfes bringt nämlich naturgemäß eine besondere Empfindlichkeit gegenüber Verletzungen mit sich. Bei manchen kleinen Hunderassen ist es durch die Zucht zu einer überproportionalen Verkleinerung und teils auch Verkrümmung der Gliedmaßen gekommen (sog. Chondrodystrophie), Probleme im Wachstum (Inkongruenz von Elle und Speiche) und mit den Gelenken generell und auch den Bandscheiben können die Folgen sein. Ein typisches Beispiel hierfür ist der Dackel („Dackelbeinchen, Dackellähme“).

Durch die längere Lebenserwartung kleiner Hunde treten vermehrt altersbedingte Probleme auf, z.B. Arthrosen. Auch die Wirbelsäule kann altersbedingte Degenerationserscheinungen zeigen, z.B. in Form schmerzhafter, bewegungseinschränkender Verknöcherungen (Spondylose). Degenerative Veränderungen an den Bandscheiben sind zu Beginn schmerzhaft, sie können im weiteren Verlauf zu gefährlichen, möglicherweise irreversiblen (Querschnitts-)Lähmungen führen („Dackellähme“). Für die Besitzer kleiner Hunde ist es sehr wichtig zu wissen, dass keinesfalls nur Dackel eine „Dackellähme“ bekommen können, sondern auch alle anderen kleinen Hunde, insbesondere kleine Terrier. Eine veränderte Körperhaltung, Schmerzen beim Hochheben, die Weigerung, Treppen hinauf oder hinunter zu gehen, allgemeine Bewegungsunlust oder auch nur ein etwas veränderter Gang bzw. eine leicht veränderte Körperhaltung können Anfangs-Symptome eines Bandscheibenproblems sein. Derartige Symptome sollten daher in jedem Fall Anlass geben, möglichst umgehend eine Tierarztpraxis aufzusuchen. Bei Problemen mit der Bandscheibe müssen Diagnostik (neurologische Untersuchung, u.U. CT/MRT) und Behandlung (Medikamente, ggf. Operation) sehr zeitnah erfolgen, weil der Zeitfaktor eine wesentliche Rolle dafür spielt, ob sich eine Lähmung entwickelt oder ob ein gelähmter Hund überhaupt wieder laufen kann.

Gelenkschmerzen bei kleinen Hunden erkennen

Gelenkarthrosen bleiben bei kleinen Hunden leider oft unerkannt, weil kleine Hunde Gelenkschmerzen viel seltener durch eine Lahmheit anzeigen. Daher ist es wichtig, seinen kleinen Liebling diesbezüglich gut zu beobachten. Während eine angeborene Kniescheibenluxation/Patellaluxation meist durch eine Operation behandelt wird, kann man den Gelenkknorpel und die Bandscheiben über die Zufütterung bestimmter Nährstoffe vorbeugend schützen und stärken. Einige Nährstoffe, etwa die Glukosaminoglykane (u.a. Muschelextrakte) und die Omega-Fettsäuren wirken zusätzlich entzündungshemmend und bewirken eine natürliche Schmerzlinderung.

Ebenfalls wichtig speziell für den Bewegungsapparat und die Gesundheit im allgemeinen - auch für die ganz Kleinen - ist regelmäßige körperliche Bewegung in Form von gern auch längeren Spaziergängen und körperliches Training durch kontrolliertes, den körperlichen und mentalen Fähigkeiten kleiner Hunde angemessenes Spiel. Bei kleinen Hunden ist jedoch besonders auch auf die Auswahl der Spielgefährten zu achten. Diese sollten nicht zu groß, zu ruppig oder zu temperamentvoll sein, damit der kleine Hund nicht unabsichtlich verletzt wird. In jedem Fall haben auch kleine Hunde wie ihre mittelgroßen und großen Verwandten Bewegungsbedarf und gehören nicht dauerhaft in eine Handtasche!